Eine Kreuzfahrt in der Adria – jenseits von Venedig und Dubrovnik - WELT (2022)

Unter nachtschwarzem Himmel verlässt die „Mein Schiff 5“ den Hafen von Triest. In funkelndem Lichterkleid liegen die eleganten Bauten der Stadt, auf der Ufer-Promenade sind noch immer Flaneure unterwegs, auf der Piazza Unità sitzen noch späte Gäste beim Absacker im Café. Triest, einst Teil Österreich-Ungarns und sein Tor zur Welt, verströmt noch heute einen kräftigen Schuss Wiener Atmosphäre.

Auf den Decks und Balkons des Kreuzfahrtschiffs steht die Hitze. Fast lautlos fährt es hinaus, nachdem der Lotse längere Zeit mit den Behörden diskutieren musste, wie Kapitän Ioannis Anastasiou, ein in Nordrhein-Westfalen aufgewachsener Grieche, heiter von der Brücke berichtet.

Nun aber steht der ersten Etappe dieser Adria-Reise nichts mehr im Weg. 2420 Kilometer, sieben Tage und vier Länder wird sie umfassen, auf dem Plan stehen statt überlaufener Adria-Häfen wie Venedig und Dubrovnik die Städte Kotor in Montenegro und Koper in Slowenien, dazwischen geht es nach Korfu und Kefalonia im Ionischen Meer.

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382 Seemeilen oder 707 Kilometer liegt das erste Ziel Kotor entfernt, erklärt der Kapitän. Das bedeutet einen Seetag zum Auftakt und Zeit für die Gäste, das 295 Meter lange, 42 Meter breite und mit elf Passagierdecks, Joggingstrecke, Ballspielplatz mit Tribüne und 25 Meter langem Pool durchaus riesige Schiff zu erkunden und zugleich den Stress der Anreise abzubauen.

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Spaß auf See

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Ein paar Züge im Pool, ein Cocktail auf dem Sonnendeck, einige Stunden der Meeresbetrachtung auf dem Balkonstuhl, und schon verliert alles, was tags zuvor für Anspannung gesorgt hatte, an Schrecken: Das Chaos am Flughafen ist überstanden, der Corona-Test glücklich absolviert – ein tagesfrischer, offizieller Schnelltest ist bei der Einschiffung ebenso nachzuweisen wie die vollständige Impfung.

Auf dem Kreuzfahrtschiff ist für Unterhaltung gesorgt

Mit jeder zurückgelegten Seemeile verschwindet die Erinnerung daran ein wenig tiefer im Gedächtnis. Durch Volleyballspiel, Spa-Besuch, Pianomusik oder Planung der Landgänge lässt sich dieser Prozess individuell gestalten. Elf Restaurants und 16 Bars tragen außerdem dazu bei, dass der Seetag unmerklich verstreicht – und die Gäste sich verteilen. 2400 Passagiere sind an Bord; insgesamt hat das Schiff Platz für 2534.

Pünktlich zum Sonnenaufgang erreicht die „Mein Schiff 5“ die Zufahrt zur zwischen Bergketten tief in einem Meeresarm versteckten Stadt Kotor. „Es lohnt sich, für den südlichsten Fjord Europas früh aufzustehen“, hatte Anna Volkmann am Vorabend erklärt. Die 28-jährige Leiterin der Landausflugsabteilung mag diese Strecke ganz besonders, erst im Juni hat das Schiff diesen Hafen zum ersten Mal angelaufen.

Und tatsächlich wird er Anna Volkmanns Einschätzung gerecht. Schon in der Nacht ist der Lotse an Bord gekommen, um halb fünf gleitet das Schiff langsam und fast lautlos in den Fjord. Auf den Balkons fotografieren und filmen begeisterte Frühaufsteher. Am Ufer funkeln die letzten Lichter der Nacht, während die Sonne den Himmel über schwarzen Bergen orange und golden färbt. Erst gute zwei Stunden später erreicht das Schiff den Liegeplatz.

Kotor liegt im südlichsten Fjord von Europa

Schon in vorchristlicher Zeit war der Naturhafen besiedelt. Im 14. Jahrhundert zerstörten die Venezianer den Konkurrenzhafen, bevor Kotor sich 1420 unter den Schutz der Serenissima begab. Eine viereinhalb Kilometer lange Stadtmauer umschließt die Altstadt, die aufgrund der Lage und der mittelalterlichen Bauten wie die gesamte Bucht zum Unesco-Welterbe zählt.

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Die Kathedrale St. Tryphonius, die romanische Kirche St. Lukas, der Uhrenturm, Gassen und Plätze liegen alsbald in sengender Sonne. Auch die Bootsfahrt zur aus Felsen und Schiffswracks aufgeschütteten Insel Gospa od Skrpjela mit dem Kirchlein „Maria vom Felsen“ darauf, bringt keine kühle Brise. Dennoch ist die von bis zu 1800 Meter hohen Bergen umschlossene Bucht von Kotor so reizvoll, dass es schwer fällt, sich von dem kleinen Balkanland zu verabschieden.

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Kapitän Anastasiou vermag dies abzufedern. Etwas stressig sei es auch für ihn gewesen mit dem sehr frühen Aufstehen und dem langen Tag auf der Brücke, plaudert er am Abend ins Mikrofon. Doch nun gehe es bei ruhiger See und leichtem Wind 387 Kilometer nach Süden in Richtung der grünen Insel Korfu, seiner griechischen Heimat entgegen.

„Es tut mir leid, dass wir uns momentan nicht so häufig sehen“, sagt er abschließend. „Ich hoffe, ich kann es am nächsten Seetag gutmachen.“ Diesem Wunsch folgt sein charakteristisches Schlusswort, das unter den Passagieren schnell zum geflügelten Wort wird: „Kapitän aus.“

Von Korfu geht es zur Insel Kefalonia

Anderntags liegen Korfus Berge und Buchten und kleine Inselchen vor den Fenstern. Mit über 30 Grad ist es auch hier nicht eben kühl. Hartgesottene brechen zu einer Tour mit den schiffseigenen E-Bikes über die Insel auf. Andere schwitzen auf den Spuren von Kaiserin Sisi, die Korfu liebte, oder lassen sich durch die Inselhauptstadt treiben.

Erfrischung bietet ein Schiffswechsel: Ein Katamaran fährt die Gäste zu zwei Badestellen vor der Küste. Unter der griechischen Sonne ins klare Wasser zu tauchen, ist ausgesprochen wohltuend. Das Singen der Zikaden tönt bis aufs Meer hinaus. Mit der festungsartigen Hauptstadt und den grünen Bergen kann sich Korfu auch vom Wasser aus sehen lassen.

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Mit Kefalonia, der größten der Ionischen Inseln, wartet 209 Kilometer von Korfu entfernt ein weiteres touristisches Großkaliber. Die Aussicht auf Strände, bis zu 1600 Meter hohe Berge und den unterirdischen See Melissani treibt die Passagiere in die Tenderboote, die sie in den Hafen von Argostoli im Südwesten der Insel bringen. Auch hier stehen Räder und Roller bereit, wiewohl bei 37 Grad schon ein Spaziergang über die von Palmen gesäumte Ufer-Promenade und durchs übrige Städtchen regelmäßige Erholungspausen im Café erforderlich macht.

Der Kapitän verrät Fakten zur Kreuzfahrt

Schließlich die letzte längere Etappe: Mit 16,2 Knoten gehe es 1091 Kilometer (589 Seemeilen) nach Norden zum slowenischen Hafen Koper, meldet Kapitän Anastasiou am Abend von der Brücke und erinnert daran, die Uhren zurückzustellen: „Eine Stunde länger schlafen – Sie erleben Ihren Kapitän gut gelaunt!“ Der Anker wird gelichtet, die griechische Leichtigkeit seiner Ausführungen vom brachialen deutschen Pathos des Auslaufsongs „Große Freiheit“ davongespült, die Sonne bietet einen spektakulären Untergang.

Auf dem offenen Meer weht ein anderer Wind: Der Himmel ist grau, über der Adria grummeln Seegewitter. Regen fällt aufs Sonnendeck und kühlt das Wasser im Pool merklich ab. Zum ersten Mal merkt man, dass man auf See ist – das Schiff bewegt sich spürbar.

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Am Vormittag bittet der Kapitän zur nautisch-technischen Fragestunde ins Theater. Zum Auftakt zeigt er Urlaubsbilder und reiht in bester Entertainer-Manier Scherze aneinander. Es folgen Details, die die Kreuzfahrt-Fans gespannt verfolgen. Das Schiff zu wenden, dauere sechs Minuten: „Das muss man in Betracht ziehen, wenn man von Piraten gejagt wird“, witzelt Anastasiou. Und dann? „Fährt man einen Zickzack-Kurs, um Wellen zu erzeugen und das Tempo zu halten.“

Seit 2003 ist Anastasiou Kapitän, seit 2014 bei der Mein-Schiff-Flotte. Es ist sein Traumjob, denn die Kreuzfahrten führen ihn in die schönsten Länder – häufig auf ungewöhnliche Routen wie diese, die überlaufene Häfen bewusst ausspart.

Letzte Station vor Italien ist Slowenien

Am nächsten Morgen liegt Koper unter wolkenlosem Himmel vor dem Schiff. Der einzige Hafen Sloweniens ist industriell geprägt, nur für ein Kreuzfahrtschiff ist hier Platz. Gleich hinter der Stadt mit ihrem schön restaurierten, venezianisch geprägten Zentrum erhebt sich waldreiches Hügelland mit schattigen Wanderwegen und Aussichtspunkten, die weite Blicke auf die slowenische und italienische Küste öffnen.

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Ein Grenzstein zeigt Wanderern, wo Italien beginnt, und erlaubt ihnen, mit einem Fuß in Slowenien und dem anderen in Italien zu stehen; ansonsten ist die Grenze unsichtbar. Schilder sind hier zweisprachig, Italienisch ist anerkannte Minderheitensprache. Koper gehörte einst zur Republik Venedig, später zu Österreich, ab 1919 zu Italien und fiel 1954 an Jugoslawien, nachdem es nach dem Zweiten Weltkrieg Teil des Freien Territoriums Triest war – eine bewegte Geschichte, die 1991 mit Sloweniens Unabhängigkeit endete.

Triest liegt nur 13 Seemeilen entfernt, die „Mein Schiff 5“ wird den Liegeplatz gegenüber der prachtvollen Piazza Unitá d’Italia am späten Abend erreichen. Vor der letzten Nacht an Bord erhalten die Passagiere noch einmal Wetterdaten und gute Wünsche von der Brücke. Dann heißt es ein letztes Mal: „Kapitän aus.“

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Tipps und Informationen:

Kreuzfahrt: Die nächsten Abfahrten der „Mein Schiff 5“ zur siebentägigen Reise „Adria mit Korfu“ sind der 31.7., 28.8. und 25.9.2022. In einer Innenkabine kostet die Reise inklusive Mahlzeiten und Getränken ab 849 Euro pro Person; mit Flügen zahlt man ab 1229 Euro (tuicruises.com). Auch die italienische Reederei Costa Cruises hat auf ihren Routen Kotor, Korfu und Kefalonia im Programm (costacruises.com).

Corona: Ein Selbsttest vor der Reise und ein offizieller Antigentest am Anreisetag sind ebenso Pflicht wie der Nachweis eines vollständigen Impfschutzes für Reisende ab zwölf Jahren. Für Passagiere besteht anders als für die Crew an Bord keine Maskenpflicht mehr; nur in den Tenderbooten ist das Tragen einer FFP2-Maske Pflicht.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von TUI Cruises. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.com/de/werte/downloads.

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Author: Mrs. Angelic Larkin

Last Updated: 10/23/2022

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