Windows 7/8/10/11: Das Windows-Zubehör im Überblick – was leistet es? (2022)

Der Begriff "Zubehör" ist jahr­zehn­te­alt: Bereits der Windows-XP-Vorgänger Windows 2000 besaß im Startmenü einen so benannten Ordner. Mit Zubehör, bei englischsprachigen Windows-Installationen übrigens "Accessoires" genannt, meint Microsoft keine zusätzlichen Hardware-Bauteile (Peripherie). Es geht um Bordmittel, die überwiegend Alltagsaufgaben und teilweise exotisches Systemnahes erledigen. Die Programme sind bereits in das System eingebunden. Das ist nicht selbstverständlich; einige andere Bordwerkzeuge liegen brach und sind über optionalfeatures.exe zu aktivieren (diesen Windows-Teil rufen Sie über den gleichnamigen Run-Dialog-Befehl auf, hier schalten Sie etwa seit Windows 8 Pro den Virtualisierer HyperV hinzu, ergänzen bei Windows 10/11 schon in der Home-Edition das Linux-Subsystem und deaktivieren bei Missgunst den Internet Explorer 11 sowie den Windows Media Player 12).

Was ist das Windows-Zubehör?

Der Zubehör-Ordner beinhaltet sowohl Aufrufverweise für Bordmittel als auch Ordner, die weitere solcher Verlinkungen bündeln. Die Unterordner klappen per Mouseover und seit Windows Vista per Klick im Startmenü auf. Microsoft hat die genauen Inhalte von Windows-Release zu Windows-Release immer mal wieder geändert. Unter Windows 2000 Professional zum Beispiel finden sich unter "Start > Programme > Zubehör > Unterhaltungsmedien" der "Audiorecorder", der "CD-Player", die "Lautstärkeregelung" und der "Windows Media Player". Unter Windows XP wiederum sind im Verzeichnis "Start > Alle Programme > Zubehör > Unterhaltungsmedien" bloß noch drei Einträge vorhanden: "Audiorecorder", "Lautstärke" und "Windows Media Player". Den "Zubehör"-Eintrag "Spiele", den Windows 2000 besaß, hat Microsoft bei Windows XP ausgelagert in einen Ordner, der im Startmenü außerhalb von "Zubehör" angesiedelt ist.

Die Games-Auswahl ist bei XP mit 11 versus 4 Programmen besser; zu "Solitär" gesellte sich etwa "Spider Solitär" hinzu (sol.exe, spider.exe). Den Zubehör-Ordner "Eingabehilfen" (Windows 2000/XP) benannte Microsoft mit dem XP-Nachfolger Vista in "Erleichterte Bedienung" um. Statt vier Einträgen gibt es bei Vista dort nun einen mehr: nämlich einen für die "Windows-Spracherkennung" – eine der wichtigsten Vista-Neuerungen. Das Feature findet sich bis hinauf zu Windows 11: Es war ein Urahn der heutigen Windows-10-/-11-Sprachassistenz Cortana. Heute führen beide eine Koexistenz.

Die "Windows-XP-Tour" als Macromedia-Flash-Player-5-basiertes Werbevideo, das die Vorzüge von Windows XP preist, hat Windows Vista+ weder als Zubehör-Eintrag noch als Systemfunktion in petto. Dafür implementiert nur Vista als (Zubehör-)Funktion das Begrüßungscenter, das werkseitig bei jedem Booten erscheint und die User in den Wahnsinn trieb. Das "Snipping Tool", das Windows Vista als Screenshot-Tool einführte und das auch ins Zubehör-Segment einzog, ist in Windows 7 geblieben. Auch Windows 8(.1) und Windows 10/11 haben dieses Utility snippingtool.exe an Bord. Eine Neuerung unter Windows 7 und auch in dessen Zubehör-Verzeichnis frisch eingezogen war die PowerShell; sie ist seit diesem OS-Release nicht mehr nachträglich zu installieren (anders als bei Windows XP/Vista).

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Ersatz für angestaubte Windows-Bordmittel

Windows 8(.1) und Windows 10/11: Zubehör

Unter Windows 8/8.1 sind die "Zubehör"-Ordner scheinbar verschwunden. User erhalten Zugriff auf die vermissten Utilities, indem sie unter Windows 8 die Kachel-Oberfläche aufrufen, Windows-Z drücken und unten auf "Alle Apps" klicken. Es öffnet sich eine Liste mit klassischen Desktop-Anwendungen und neumodischen Applikationen. Dort ist gegebenenfalls nach rechts zu scrollen (durch Bewegen des Mausrads nach unten), um alle Bordmittel innerhalb von "Windows-Zubehör" zu sehen. Bei Windows 8.1 gelangten Sie einfacher an die Kollektion "Windows-Zubehör": Hierfür ist unten auf der Kachel-Oberfläche auf den nach unten zeigenden Pfeil zu klicken. In der Übersicht Ihrer Programme und Apps findet sich ein Bereich mit dem Zubehör, die Ansammlung lässt sich analog zu Windows 8 per Kontextmenü im Windows Explorer darstellen.

Windows 10/11 bringt im Gegensatz zu Windows 8(.1) wieder ein Startmenü mit: Bei den ersten zwei Versionen von Windows 10 (1507/1511) gab es dort die Schaltfläche "Alle Apps"; seit dem Anniversary Update (1511-Nachfolger-Version: 1607) ist diese Klickfläche entfallen – und Sie finden links im Startmenü direkt Ihre Programme, ohne einen vorauseilenden Klick scrollen Sie die Liste durch. Dort taucht unten das "Windows-Zubehör"-Verzeichnis auf. Bereits bei Windows 10 1507, aber auch beim aktuellen Windows 10 21H2 (November 2021 Update) hat der Systemanbieter den Internet Explorer (IE) 11 zum Zubehör degradiert. Microsoft Edge als modernerer Browser tritt die Nachfolge an; unter Windows 10 1507 bis 2004 (Mai 2020 Update) debütiert das derweil veraltete Legacy-Pendant mit nicht allzu Webstandards-konformer EdgeHTML-Engine. Seit Windows 10 20H2 ist stattdessen werkseitig der schnellere Chromium-Edge dabei. Microsoft sieht diesen aber nicht als Zubehör an, ähnlich dem IE bei älteren Betriebssystemen, die ihn als einzigen Browser mitbringen.

Den IE ereilt eine gewisse Abwertung durch das Verbannen ins Zubehör, obgleich das Programm technischen (marginalen) Fortschritt mitbringt: Exklusiv unter Windows 10 unterstützt es das HTTP/2-Protokoll; zuvor (bei Windows 8.1, nicht aber unter Windows 7/8.0) in den Internetoptionen alias inetcpl.cpl als "SPDY/3" bezeichnet. HTTP/2 beschleunigt und optimiert die Nutzung von Webseiten, unter anderem durch Kompression des HTTP-Headers. Ferner sind für die Übertragung mehrerer Webseiten-Elemente nicht mehr multiple TCP/IP-Verbindungen zu öffnen; dank eines Multiplex-Verfahrens genügt eine einzige Verbindung. Wichtig für HTTP/2 ist, dass neben dem Browser (Firefox, Google Chrome & Co. kommen damit zurecht) auch Webserver es unterstützen; mittlerweile ist der Anteil an Websites stark gestiegen. Die Voraussetzung für HTTP/2 ist das transportverschlüsselnde HTTPS-Protokoll.

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Schnell arbeiten: Sofort-Tipps für Windows

Diese Tools stecken im Windows-10-Zubehör

Unter Windows 10 heißt der Zubehör-Ordner (wie bei Windows 8x) "Windows-Zubehör". Das war schon beim OS-Erstlings-Release (Version 1507) vom Juli 2015 der Fall. Das alte Windows 2000/XP/Vista/7 band in den Startmenü-"Zubehör"-Ordner zwei wichtige Bordmittel zur PC-Wartung ein: Datenträgerträgerbereinigung und Defragmentierung. Beim aktuellen Windows 10 21H2 etwa sind die Tools dort nicht mehr präsent, aber Sie rufen sie über Win-R und cleanmgr respektive dfrgui weiterhin auf. Bei Windows 2000/XP lautete der dfrgui-Befehl übrigens dfrg.msc; Windows Vista änderte die Systemdatei und die Befehlszeile zu einem EXE-Pendant. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Tools, die Microsoft Ihnen als Windows-10-Zubehör bereitstellt:

Mit dem Editor fertigen Sie schnell Notizen an. Das Programm unterstützt keine Formatierungen, sondern nur einheitliche Textdarstellung. Die Schriftfarbe ist stets Schwarz; auf Wunsch ändern Sie für den gesamten Text aber Schriftart, Schriftgröße und Schriftschnitt. Neuere Windows-10-Versionen und auch Windows 11 erlauben aus diesem Tool notepad.exe heraus Bing-Suchen und das größer Zoomen von Text mit [Strg]+[Plus-Taste]. Wer zum Editor ohne den Aufruf des Startmenü-Zubehör-Ordners gelangen will, erreicht ihn über Win-R und den Befehl notepad.

Der Internet Explorer 11 dient als Browser und ist nur noch als Legacy-Anwendung in Windows 10 enthalten. Das bedeutet: Das Programm kommt für Webseiten-Aufrufe kaum noch zum Einsatz. Der Code ist veraltet und dient vor allem der Kompatibilität. Windows 11 hat den IE nicht mehr an Bord, das Deaktivieren über optionalfeatures.exe ist hier unmöglich.

Das Math Input Panel erlaubt es, mathematische Zeichen einzugeben. Dabei malen Sie mit der Maus oder auf einem Touchscreen-PC per Finger in ein Fenster. Die Anwendung identifiziert Zahlen und Buchstaben und stellt sie im oberen Bereich dar. Ein Kuriosum ist, dass die Sprache des Tools trotz deutschsprachigem Windows Englisch ist. Das verhält sich bei relativ unbekannten Windows-eigenen Packer iexpress.exe genauso.

Die Bildbearbeitungslösung (MS) Paint befähigt Sie, schnell Screenshots anzufertigen. Dieses Aufgabengebiet dürften die meisten User wichtiger finden, als Fotos zu editieren. Letzteres funktioniert aufgrund eines rudimentären Funktionsumfangs mit dem Bord-Tool nur eingeschränkt. Wer häufiger mit der Anwendung arbeiten möchte, kennt sicherlich den zugehörigen Ausführen-Dialog-Befehl mspaint. Seit Windows 7 verfügt Paint über eine Ribbon-Oberfläche. Auf Wunsch machen Sie darüber Bilder schwarz-weiß. Windows 11 strich die MS-Paint-Ribbons.

Die Remotedesktopverbindung (mstsc.exe) und die Remotehilfe (quickassist.exe) helfen PC-affinen Menschen anderen per Computer-Fernwartung. Einfacher zu bedienen und komfortabler sind TeamViewer und AnyDesk.

Mit der Schrittaufzeichnung ist eine der Windows-7-Neuerungen auf Windows-10-/-11-PCs noch immer zu Hause. Die Funktion hieß unter Windows 7/8 Problemaufzeichnung, Windows 8.1 benannte sie um. Der Screenshot-Recorder fertigt, nachdem Sie die Aufzeichnung per Klick gestartet haben, bei jedem Mausklick ein Bildschirmfoto an. So dokumentieren Sie am PC Aktionen, die zu einem Problem geführt haben, und lassen das Ganze einer bewanderten hilfsbereiten Person zukommen. Denkbar ist ebenfalls, dass Sie so Tutorials anfertigen und somit Tipps zum Vermeiden von Komplikationen geben. Das Tool starten Sie am schnellsten mit Win-R und psr (was für Problem Steps Recorder steht). Die PSR-Anwendung speichert am Ende ein ZIP-Archiv. Ihre Screenshot-Sammlung findet sich darin in einer zu entpackenden MHT-Datei (MHTML). Der Internet Explorer öffnet sie bei einem Doppelklick.

Das mit Windows Vista eingeführte Snipping Tool gibt es schon etwas länger als die Schrittaufzeichnung (siehe den vorigen Artikel-Absatz). Das Tool, das Sie auch über Win-R und snippingtool aufrufen, fertigt Screenshots an. Über ein Menü wählen Windows-10-Lizenznehmer, ob sie den Modus "Freies Ausschneiden", "Rechteckiges Ausschneiden", "Fenster ausschneiden" oder "Vollbild ausschneiden" wünschen. Windows 11 benennt diese Modi etwas anders. Seit Windows 10 (1507) erfolgen Mitschnitte wahlweise zeitverzögert.

Der Windows Media Player ist ein Klassiker, der lokale Musik- und Videodateien abspielt, Audio-CDs rippt und per M3U-URL-Eingabe Internetradios anzapft sowie unter Windows 7 sogar DVDs abspielt. Aufgrund des seit Windows 8 entfallenen MPEG-2-Codecs (Decoders) ist die DVD-Wiedergabe bis einschließlich Windows 11 unmöglich. Der Aufruf des mit WMP abgekürzten Bordmittels gelingt schnell mit Win-R und der Eingabe von wmplayer oder dvdplay. Der letztere Befehl startete unter Windows 7 das Abspielen einer eingelegten MPEG-2-kodierten Film-DVD ohne Extraklick, bei neueren Systemen bewirkt dvdplay den normalen WMP-Start.

Bei Windows-Fax und -Scan handelt es sich um ein Tool, das das Senden und Empfangen von Faxen verspricht, selbst wenn Sie kein Faxgerät besitzen. Die Kurzform des Programmnamens bildet den EXE-Dateinamen: WFS.exe. Daher rufen Sie diese mächtig anachronistisch angehauchte Anwendung auf, indem Sie Win-R drücken und wfs eingeben. In Sachen Oberfläche erinnert das Tool an das E-Mail-Programm, das im Lieferumfang von Windows Vista war. Windows 7 sparte ein solches aus, seit Windows 8 gehört wieder eines – diesmal in Form einer App – zum Betriebssystem-Bordmittelbestand.

Das Schreibprogramm WordPad ist, ähnlich dem Editor, minimalistisch. Es leistet funktional mehr als sein Bruder notepad.exe. So verfügt WordPad über einen deutlich besseren Support für Formatierungen. Ferner besitzt das System-Tool unter Windows 7/8(.1)/10/11 über eine Ribbon-Bedienerführung. WordPad öffnet sogar DOC- und DOCX-Dateien.

Die Zeichentabelle versetzt Sie in die Lage, Sonderzeichen einzugeben, die auf Ihrer Tastatur nicht vorhanden sind. Per Doppelklick kopieren Sie die gewünschten Zeichen in die Zwischenablage. Danach fügen Sie sie mit Strg-V in einen Texteditor oder im Ausführen-Dialog von Windows ein. Bewegen Sie den Mauszeiger auf eines der Symbole oder klicken Sie es an, erscheint ein Namenstext. Wer die Zeichentabelle des Öfteren verwendet, sollte sich charmap als Aufrufbefehl für den Ausführen-Dialog (Win-R drücken) merken.

Wo ist das Zubehör unter Windows 11?

Im Startmenü von Windows 11 findet sich weder ein Ordner "Zubehör" noch einer namens "Windows-Zubehör". Zumindest lässt sich eine noch immer vorhandene Zubehör-Tools-LNK-Verknüpfungs-Übersicht im Windows Explorer öffnen. Drücken Sie Win-R und geben Sie folgenden Pfad ein:

C:\ProgramData\Microsoft\Windows\Start Menu\Programs\Accessories

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Author: Amb. Frankie Simonis

Last Updated: 08/04/2022

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